Ohne Asiaten in die nächste Saison

Toby PentyDie letzte noch vakante Position beim Badminton-Bundesligisten TV Refrath für die neue Saison ist besetzt. Man verpflichtete den 20-jährigen Engländer Toby Penty, aktuell die Nummer 87 der Weltrangliste für das 1. Herreneinzel.

Bereits Ende Februar während der German Open war die Entscheidung gefallen. Gemeinsam schauten sich Carla Nelte, Chloe Magee, Max Schwenger, Richard Domke und Denis Nyenhuis mit Heinz Kelzenberg das Erstrundenspiel zwischen dem Japaner Sho Sasaki und Penty an.

Heinz Kelzenberg: „Ich weiß nicht mehr, wer es war, aber auf einmal fragte mich jemand, warum eigentlich nicht Penty?“. Das Team wusste um die sehr skeptische Einstellung des Refrather Chefs gegenüber Spielern von der britischen Insel. Da diese quasi als Angestellte des englischen Verbandes am Stützpunkt in Milton Keynes leben, gelten sie in Sachen Bundesliga nicht gerade als flexibel. Viele Clubs bekamen bereits zu spüren, dass die Bedeutsamkeit eines Bundesliga-Spielplans den englischen Nationaltrainern nicht immer so bewusst ist und sie ihre Spieler nicht frei geben.

Dennoch sprach Kelzenberg den Engländer kurz nach dessen großartiger Leistung bei der Dreisatzniederlage gegen die Nummer 13 der Weltrangliste an. Er zeigte sofort großes Interesse, auch weil er die meisten seiner neuen Teamkollegen noch aus seiner Jugendzeit gut kennt. Kelzenberg: „Ich hatte schnell ein gutes Gefühl und auch das anschließende Gespräch mit Noch-Nationaltrainer Kenneth Jonassen war sehr positiv. Toby ist ein großer Hoffnungsträger der Engländer, das war mir gar nicht so bewusst“.

Der Suche nach einer neuen Nummer Eins war eine entscheidende Überlegung voraus gegangen: Es sollte kein Asiate mehr sein. Nach wechselhaften Erfahrungen in den letzten Jahren mit Spielern wie Rio Wilianto, Lu Qicheng, Ian Yovi Rien, Lin Yu Hsien, Kay Bin Yeoh oder zuletzt Hafiz Hashim und dem dringenden Wunsch, sich mehr und mehr von ausländischen Spielern unabhängig zu machen, entschied man sich gegen das bisherige Erfolgsrezept.

Heinz Kelzenberg: „Es gab immer wieder einen triftigen Grund für eine starke asiatische Nummer Eins, mal war es der Aufstieg, in den letzten vier Jahren dann der Klassenerhalt“ . Doch auch ohne Hafiz Hashim spielte der TVR in der letzten Bundesligasaison gegen viele der Top-Mannschaften gut mit, holte gegen alle außer den BV Mülheim mindestens einen Punkt. Und das mit einer recht unbefriedigenden Ausbeute in den Herreneinzeln, die in der kommenden Spielzeit mit Toby Penty an Eins und einem komplett wieder hergestellten Richard Domke an Zwei deutlich besser ausfallen sollte.

Dass bundesligataugliche und vor allem bezahlbare Herreneinzelspieler in Europa kaum zu finden sind, erfuhren die Refrather Verantwortlichen in den Monaten von Dezember bis Februar. Viele gute Ideen scheiterten an den Finanzen, denn der Etat des Bergischen Erstligisten bleibt auch in der neuen Spielzeit unverändert.

„Wir könnten diesmal ein Kandidat für die Plätze 3 bis 5 sein“, prognostiziert Kelzenberg, denn neben Denis Nyenhuis und Max Schwenger bleiben auch die sehr siegesgewohnten Damen Carla Nelte und Chloe Magee an Bord. Den Leistungsträgern aus der 2. Mannschaft, Iris Tabeling und Raphael Beck wurden ebenfalls mehr Einsätze im 1. Team zugesagt, so dass sich der Kader nicht nur besser, sondern auch breiter im Vergleich zur letzten Saison darstellt. Viele hatten damit gerechnet, dass der frischgebackene 17-jährige Jugendeuropameister Fabian Roth fest ins 1. Team rückt, doch man möchte damit noch ein Jahr warten um den Druck auf ihn nicht ins Unermessliche wachsen zu lassen.

Ein starkes Dameneinzel, Damendoppel und Mixed hatte der TVR bereits in dieser Saison, jetzt kommen noch zwei „neue“ Herreneinzel dazu, denn auch das zweite Herreneinzel wird mit Domke oder Roth (wenn Penty nicht zur Verfügung steht) stärker als in dieser Saisonsein, in der Kai Waldenberger lediglich zwei Einzel gewinnen konnte. Der fast 30-jährige wird als Stammspieler die 2. Mannschaft verstärken, wodurch diese komplett ohne ausländischen Herren auflaufen wird.

Vieles wird jedoch davon abhängen, wie oft der TVR-Neuling Penty zur Verfügung stehen wird. Heinz Kelzenberg: „In seinem Vertrag stehen mindestens 14 Einsätze, aber ich kann ihn nicht persönlich abholen, wenn es Probleme gibt. Doch er scheint sehr motiviert, angesichts der starken Sparringsgegner in der 1. Liga“. Zuzutrauen sind ihm selbstverständlich keine Siege gegen Europameister Marc Zwiebler, doch gegen alle anderen Gegner spielt er nach Aussage von Heinz Kelzenberg „auf Augenhöhe“: „Er kann Zavadsky, Yuhan Tan, Dieter Domke oder Navickas schlagen und das waren die Top-Herren der besten vier Mannschaften in dieser Saison.

Einen seiner möglichen Gegner konnte Penty letzte Woche bereits überraschend bei den French International bezwingen. Gegen den Malaysier Tan Chun Seang (Rosenheim) gewann der Engländer in zwei Sätzen. Tan hat immerhin aus der letzten Saison eine 12:4 Bilanz im 1. Einzel vorzuweisen und steht auf Rang 34 der Weltrangliste. Doch man ist relativ entspannt, was die möglichen Bundesligasiege des Refrather Neuzugangs angeht. Nach Aussage der Verantwortlichen möchte man im Schnitt gegen die guten Teams regelmäßig eines der beiden Herreneinzel gewinnen. Dann sei man schwer zu schlagen, wie die Ergebnisse aus dieser Saison beweisen.

Nach Platz 6 in der abgelaufenen Saison, dem besten Ergebnis in der vierjährigen Bundesligazugehörigkeit des TV Refrath, galt es vor allem, die tolle Mannschaft zusammen zu halten. Doch sowohl Carla Nelte, als auch Chloe Magee und Max Schwenger lehnten mehrere Angebote aus dem In- und Ausland ab, um dem TV Refrath weiterhin die Treue zu halten. Heinz Kelzenberg: „Irgendwas scheinen wir richtig zu machen“.

Quelle: TV Refrath Badminton

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